Schilf- und Stroh-Dächer gehören zu den ältesten Deckmaterialien der Menschheit. Die Isolation durch Schilf entspricht einem modernen Steildach, ihre Sturmsicherheit übertrifft sogar ein Ziegeldach.
Schilf- oder Reetdächer sind besonders durch Blitzschlag oder Brand gefährdet, aus diesem Grund wurde lange Zeit auf die Eindeckung mit diesem faszinierenden Naturmaterial verichtet. In der Schweiz wurden sogar staatliche Prämien für den Abriß von Strohdächern gezahlt, so daß diese sehr schnell verschwanden. Heute sind die wunderschönen Naturdächer zum Glück wieder auf dem Vormarsch, der Beruf des Schilf - oder Reetdachdeckers ist heute wieder ein Lehrberuf.
Schilfdächer werden in der Regel direkt auf einer Rundholzlattung ohne Unterdach eingedeckt. In Norddeutschland, England, Island und anderen Regionen, werden heutzutage, aus versicherungsbedingten Vorschriften oft feuerhemmende Unterdachplatten verlegt.
Als Reet, auch Ried, Riet, Rohr u.ä.bezeichnet man das an Ufern oder auf sumpfigem Gelände wachsende Schilfrohr. Die Bezeichnung Reetdach findet man hauptsächlich an der deutschen Nordseeküste, in Mecklenburg-Vorpommern spricht man von Schilf- oder Rohrdach.
Ein Schilfdach hält im Durchschnitt 30 bis 50 Jahre, es sind aber auch Dächer dokumentiert, die über 100 Jahre alt wurden.
Das Dach kann auf drei verschiedene Arten hergestellt werden: als geschraubtes, genähtes oder gebundenes Dach. Das Reet wird in geschnürten Bündeln geliefert, auf den Dachlatten verteilt und dann so verschoben, dass die unteren Reethalmenden eine schräge einheitliche, durchgehende Fläche bilden. Die Wurzelenden des Schilfs zeigen zum Boden. Die erste Schicht, die sog. Traufschicht wird unter Spannung durch die Bindung am Dach gehalten. Die Spannung erhält die Deckung dadurch, dass die Auflagekante an der Traufe 5 - 7cm höher liegt als die Dachlattenebene. Bei den gebundenen und den geschraubten Dächern wird ein Haltedraht auf die ca.1m breiten und 10-20cm starken Schilflagen gelegt und mit durch einen quer dazu geschraubten oder gebundenen Draht auf die Lage gedrückt. Mit dem Klopfbrett werden die Schilflagen anschließend hochgeklopft und in Form gebracht. Dies wird Lage für Lage bis zum erreichen des Dachfirsts fortgeführt, durch das Überdecken der einzelnen Lagen liegt die Bindung in der Mitte der Deckschicht. Das genähte Reetdach kommt ohne Haltedraht aus und ist aufwendiger zu verarbeiten.
Bei sehr alten Schilfdächern wurden an Stelle von Haltedraht Weidenruten zum Befestigen der Schilflagen benutzt. Diese wurden dann mit Wacholder"Nägeln" an der Unterlage befestigt. |